Chrome FLoC ist Google’s Alternative für Cookies

Google Chrome Browser

Inhalt

Was ist Google FLoC?
Wie funktioniert FLoC im Chrome Browser?
Welche Auswirkungen hat FLoC auf die Privatsphäre der Nutzer?
Die Wiederbelebung von RSS – ein weiteres Incentive für das Login?
Welche Auswirkungen hat FLoC auf das Online Marketing?
Kann FLoC blockiert werden in Nginx, Apache, WordPress und anderswo?

Was ist Google FLoC?

Google hat eine Testversion für den Chrome Browser gestartet, in der eine neue Technologie mit dem Namen FLoC als Cookie-Ersatz dienen soll. FLoC steht für Federated Learning of Cohorts und sammelt aggregierte, anonymisierte Daten über die Interessen von Nutzern zur Verwendung für Tracking und Anzeigen-Targeting.

Die Tests laufen seit dem 30. März 2021 in den USA, Kanada, Australien, Brasilien, Japan und mehreren anderen Ländern mit insgesamt 89 Millionen Nutzern. FLoC soll ab Ende 2021 Mitte 2023 Cookies bei der Generierung von interessenbasierten Audiences ersetzen. 

Google testet FLoC nicht in Ländern, in denen die DSGVO gilt. Der Konzern scheint unsicher, ob der neue Ansatz der Zustimmung über ein Opt-In bedarf.

Weltweit hat Google Chrome mit über 67% den größten Anteil am Browser Markt.

Wie funktioniert FLoC im Chrome Browser?

FLoC analysiert Online-Aktivitäten innerhalb des Browsers und generiert eine „Kohorten-ID“. Dabei wird der Browser-Verlauf verschlüsselt, und im Anschluss werden Nutzer mit ähnlichen Werten gruppiert. Websites können dann über eine API auf die Kohorten-ID zugreifen und darauf basierend bestimmen, wie Anzeigen geschaltet werden sollen.

Google erklärte im Januar 2021, dass FLoC mindestens 95% so effektiv sei wie das Tracking mit Third-Party-Cookies. Alle Websites, die sich für FLoC entscheiden, haben den gleichen Zugriff auf Nutzerkohorten.

Welche Auswirkungen hat FLoC auf die Privatsphäre der Nutzer?

Das erste Problem von FLoC im Hinblick auf Datenschutz ist der Fingerabdruck. Beim Browser-Fingerprinting werden viele einzelne Informationen aus dem Browser eines Benutzers gesammelt, um eine eindeutige, stabile Kennung zu erstellen (z.B. Plugins, Version, Spracheinstellungen etc.).

Das zweite Problem: Die Technologie wird persönliche Daten mit (First-Party-) Trackern teilen, die Nutzer bereits identifizieren können. Damit FLoC für Werbetreibende nützlich ist, wird die Kohorte eines Benutzers notwendigerweise Informationen über das Nutzer-Verhalten preisgeben.

So kann etwa jedes Unternehmen, das einen Nutzer auf andere Weise identifizieren kann (beispielsweise über ein Login) die von FLoC erhaltenen Informationen mit dem Profil des Nutzers verknüpfen.

Das bedeutet, dass Websites schon beim ersten Besuch eine gute Vorstellung davon haben werden, welche Art von Person da kommt, ohne sie im gesamten Web verfolgen zu müssen.

Da die FLoC-Kohorte im Laufe der Zeit aktualisiert wird, können Websites mit Login außerdem verfolgen, wie sich das Surfverhalten ändert.

Eine FLoC-Kohorte ist dann nicht mehr und nicht weniger als eine Zusammenfassung der letzten Surfaktivitäten.

In einer Welt mit FLoC kann es schwieriger sein als mit Cookies, Nutzer anhand von Alter, Geschlecht oder Einkommen direkt anzusprechen. Aber es wird nicht unmöglich sein.

Das gesamte System wird für Benutzer und Regulierungsbehörden jedenfalls noch einmal undurchsichtiger.

Die Wiederbelebung von RSS – ein weiteres Incentive für das Login?

Google hat angekündigt, den vor Jahren eingestellten eigenen RSS-Reader im Chrome Browser wieder zu beleben. Der Nutzer soll dann die Möglichkeit erhalten, Websites direkt zu folgen und neue Artikel aggregiert im Browser anzuschauen.

Ein Schelm, wer da Böses ahnt. Kann Google doch Nutzerverhalten und -vorlieben im eingeloggten Zustand perfekt für Werbezwecke auswerten.

Welche Auswirkungen hat FLoC auf das Online Marketing?

CafeMedia hat FLoC Kohorten und tatsächliche Nutzer-Interessen über 3.000 Partner-Websites miteinander verglichen.

Interessant ist insbesondere der Ansatz zur Indexierung von Content-Keywords nach FLoC-IDs. Wichtiges Learning: Je größer der Publisher, desto mehr Möglichkeiten hat er, Wissen über Nutzer für Ads zu generieren.

Im Online Marketing und im Werbegeschäft dürften also neben Google insbesondere Websites mit sehr großen Reichweiten profitieren. Werbetreibende sollen über eine Technologie namens Fledge die Möglichkeit erhalten, Targeting Listen in praktisch allen großen Werbeplattformen zu verwenden.

Auch wenn Google versichert, keine Backdoors für Datenerhebung in FLoC zu haben – die Marktposition von Google im Werbegeschäft dürfte weiter gestärkt werden.

Kann FLoC blockiert werden in Nginx, Apache, WordPress und anderswo?

FLoC lässt sich relativ einfach für alle gängigen Webserver über eine Permissions-Policy blockieren.

Die Entwickler des WordPress CMS (über 40% aller weltweiten Websites laufen auf WordPress) erwägen, FLoC in Zukunft bereits in der Standardinstallation zu blockieren.

Eine breite Ablehnung der neuen Google Technologie könnte den Erfolg von FLoC gefährden.


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