Von macOS zu Linux wechseln? Ich hab’s gemacht.

fedora

Inhalt

Warum ein Wechsel vom Mac zum Linux-Rechner?
Welche Distribution ist die Richtige?
Brauche ich neue Hardware?
Wie Kalender, Kontakte, Notizen und Aufgaben synchronisieren?
Wie bleibe ich kompatibel mit Microsoft Office?
Wird alles noch funktionieren?
Was tun, wenn es Probleme gibt?
Fazit

Vor etwa 10 Jahren habe ich mir ein gebrauchtes Thinkpad gekauft und das Linux Betriebssystem Debian mit der Benutzeroberfläche Gnome installiert. Es läuft seit dem einwandfrei. Mit dem Notebook habe ich allerdings nie „wirklich“ gearbeitet, sondern eher „nur“ Erfahrung in Adminstration und Anwendung von Linux gesammelt.

Aus dem Hobby-Projekt ist nun vor ein paar Monaten die Entscheidung gewachsen, Linux als primäres System zu verwenden – nach mehr als 20 Jahren mit dem Mac.

Warum ein Wechsel vom Mac zum Linux-Rechner?

Für mich persönlich haben eine ganze Reihe von Gründen zu dem Entschluss geführt, in Zukunft Linux als primäres System zu verwenden:

  • Wer einmal im Apple Ökosystem zu Hause ist, kommt aufgrund der wirklich guten User Experience kaum wieder hinaus. Ob Sycronisation mit dem iPhone, Kalender, Kontakte oder iCloud, alles funktioniert ganz einfach. Mich stört allerdings zunehmend, derart stark an ein einzelnes, und dazu noch derart mächtiges Unternehmen in den USA gebunden zu sein und dort buchstäblich mein ganzes Leben zu hinterlegen.
  • Es ist interessant, in einer Anwendungs-Firewall zu verfolgen, wie Apple quasi im Sekundentakt Verbindungen zu eigenen Servern aufbaut und jede noch so kleine Aktivität nachverfolgt. Das macht nicht nur die Internet-Verbindung langsamer, sondern wirft auch viele Fragen auf. Wozu braucht Apple so viele Informationen? Mir fehlt Transparenz. Es scheint, als definiere Apple Privatsphäre nach eigenem Ermessen. So auch mit dem systematischen Scannen von Fotos beim Hochladen in die Apple-iCloud.
  • Linux gilt im Vergleich zum Apple-Universum als kompliziert, ist aber mittlerweile beinahe genauso einfach zu bedienen wie Mac oder Windows. Zudem bietet es höchste Stabilität. Die ganze Welt setzt im Betrieb von Servern auf Linux. MacOS und Linux haben technisch dieselben Wurzeln.
  • Linux hat eine schlankere Architektur und geringere Hardware Anforderungen als Apple (das ein starkes Eigeninteresse am Verkauf immer leistungsfähiger Geräte hat).
  • Linux und viele Linux-Programme sind Open Source: D.h. sie sind nicht nur kostenlos, sondern jeder kann auch den Code auf Sicherheit oder Hintertüren inspizieren. Zu weiteren Vorteilen von Open Source gehören Herstellerunabhängigkeit, Förderung von Innovation durch offenen Quelltext, Standardisierung und Innovationskraft.
  • Die Gefahr von Malware, Trojanern, Hacker-Angriffen oder Viren ist auf Linux Geräten ohnehin weitaus geringer als auf dem Mac oder Windows-PC. Linux hat vergleichsweise wenig Nutzer, eine sichere Architektur und ist deshalb für viele Angreifer uninteressant.
  • Linux arbeitet performanter als MacOS (und auch als Microsoft Windows).

Welche Distribution ist die Richtige?

„Das“ Linux gibt es nicht. Vielmehr bezeichnet der Begriff Linux eigentlich gar nicht ein Betriebssystem, sondern den sogenannten Kernel, die technische Basis.

Es finden sich Linux-Varianten für unterschiedliche Architekturen und jegliche Anforderungen. Zu den bekannteren gehören das Urgestein Debian, Open Suse, Fedora (die Basis von Red Hat) und das minimalistische Arch Linux.

Am weitesten verbreitet bei Anwendern dürfte das auf Debian basierende Ubuntu sein inkl. seiner vielfältigen Derivate. Für Ubuntu gibt es die meisten Anwendungen. Gerade sehr gefragt scheint das in Europa entwickelte Manjaro (auf Arch Linux Basis).

Für die unterschiedlichen Distributionen gibt es eine Reihe von Desktops, etwa das leichtgewichtige XFCE, Plasma, oder Gnome.

Ich habe mich bei meinem Umstieg von MacOS auf Linux für Fedora mit Gnome entschieden:

  • Fedora läuft problemlos auf vielen Notebooks und Desktops, erhält zweimal jährlich ein grundlegendes Upgrade, läuft sehr stabil und nutzt neueste Technologien wie etwa Btrfs, DNS über TLS Support (DoT), WirePlumber oder Wayland. Der Linux-Begründer Linus Torvalds nutzt Fedora, so wie auch der weltgrößte Cloud-Dienstleister AWS.
  • Den schlanken Fedora Standard-Desktop Gnome finde ich im Hinblick auf fokussiertes Arbeiten und effiziente Bedienbarkeit sehr viel ansprechender und moderner als macOS.
  • Es gibt (konfigurierbare) Shortcuts für alles Denkbare bei Gnome, Erweiterungen und Themes für jeden Geschmack.
  • Navigation und Bedienung funktionieren nach kurzer Eingewöhnung spürbar schneller und intuitiver als beim Mac.

Fedora hat zudem jüngst einen KDE Plasma Desktop auf Basis des unkaputtbaren Fedora Silverblue vorgestellt: Kinoite. Für alle interessant, die Gnome nicht mögen.

Alle Linux Varianten lassen sich als Live-System von einem USB-Stick aus leicht auf jedem Apple-Rechner auf systemische und geschmackliche Kompatibilität testen. Für Fedora funktioniert das mit dem Media Writer ganz besonders einfach und benutzerfreundlich.

Brauche ich neue Hardware?

Nein. Die meisten ältere Macs funktionieren i.d.R. problemlos mit Linux. Sogar der neue M1 läuft auf Linux. Ob alle Komponenten kompatibel sind, könnt Ihr sehr einfach ausprobieren, indem Ihr Linux auf dem Mac von einem USB-Stick aus bootet.

Ich bin es tatsächlich Leid, ständig neue Hardware zu kaufen. Durch die vergleichsweise geringen Systemanforderungen kann ich Linux auch auf einem älteren, gebrauchten Gerät prima nutzen. Das spart Ressourcen.

Das alte Thinkpad ist mir seinen vielen Jahren auf dem Buckel nicht mehr wirklich ausreichend als vollwertiger Arbeitsplatz. Und so habe ich mir als neues Arbeitsgerät für rund 600 Euro ein gebrauchtes Thinkpad 470s gekauft, das auch meinen externen Eizo-Monitor ansteuern kann. Viele Business Thinkpads sind für Fedora/RedHat zertifiziert.

Ich habe es so eingerichtet, dass meine Dateien, Kalender, Mail etc. auf dem Mac 1:1 syncronisiert werden. Selbst die wichtigsten Gesten funktionieren und können angepasst werden.

Mein altes Macbook 12 soll für eine Übergangszeit als Backup dienen. Für den Fall, dass ich doch noch etwas vergessen habe bei der Migration oder eine Software für Linux partout nicht finde.

Wie Kalender, Kontakte, Notizen und Aufgaben synchronisieren?

Bei mir lief die Syncronisation vom Mac mit anderen Geräten bislang über iCloud bzw. über Google (Fotos). E-Mail habe ich ohnehin weder bei Apple noch bei Google. Da reicht dann ein IMAP/SMTP Konto, um auf jedem Device arbeiten zu können.

Kalender und Kontakte lassen sich alternativ zur iCloud prima mittels CalDAV über Nextcloud mit iPhone oder Android verbinden. Dazu einfach ein (kostenloses) Account bei einem Anbieter Eures Vertrauens eröffnen und entsprechende Konten einrichten auf dem Mac, Smartphone, auf dem Linux-Rechner und auf sonstigen Geräten.

Persönliche Aufgaben laufen bei mir über Todoist, Notizen über Standard Notes. Für beide Tools gibt es plattformübergreifende Software.

Wie bleibe ich kompatibel mit Microsoft Office?

Das Office Paket der Wahl für Linux ist das überaus mächtige LibreOffice.

Ich habe mich allerdings für das an Microsoft Office angelehnte Onlyoffice entschieden. Das ist ebenfall Open Source, einfach zu bedienen und außerdem extrem kompatibel zu .doc, .xls und Co. So muss ich mich von Microsoft Office im Bedienkonzept nicht großartig umstellen.

Ansonsten ist es bei mir so, dass ich viele Themen ohnehin über Google Docs/Sheets bearbeiten muss.

Wird alles noch funktionieren?

Bei mir funktionieren alle Peripherie-Geräte out-of-the-box. Musste nicht einmal einen Treiber für den Dell-Drucker nachinstallieren, der mit dem Mac immer wieder Probleme gemacht hat.

Auf der Software-Seite laufen Kundenprojekte, Finanzen und Banking ja überwiegend Betriebssystem-unabhänig im Browser bzw. in der Cloud.

Für viele andere Anwendungsfälle gibt es in der Linux-Welt Open Source Anwendungen, aber auch proprietäre Software wie etwa Spotify, Slack, Discord, Dropbox oder Skype. Sogar für Sonos gibt es eine passende App.

Propietäre Lösungen sind unvermeidlich, solange alternativ keine freie Software verfügbar ist.

Und so finden sich auch Lösungen für Whatsapp, Signal oder Messenger. Manche praktische App gibt es für macOS gar nicht, wie etwa das geniale Tangram.

Wenn Ihr gar nicht fündig werdet (z.B. bei Spielen), könnt Ihr auch Windows als virtuelles Betriebssystem unter Fedora laufen lassen.

Was tun, wenn es Probleme gibt?

Für normale Fragen und alle Probleme gibt es hilfreiche Communities etwa auf Discord oder Reddit.

Ich hatte etwa Probleme ein Programm von Ubuntu zu Fedora zu portieren, das ich für Kundenprojekte im Bereich SEO brauche: ScreamingFrog SEO Spider. Die Fedora Community hat mir dann geholfen, eine Lösung zu finden.

Linux-Anwender haben im Gegensatz zu Apple-Nutzern umfassende Rechte auf ihrem System. Sie sind also nicht „vor sich selbst“ geschützt und können im Prinzip mit einem Befehl das komplette System zerstören. Wer nicht wild experimentiert, wird jedoch keine Überraschungen erleben.

Im schlimmsten Falle kann das System von einem USB-Stick schnell neu installiert werden. Regelmäßige Backups von Einstellungen und Dateien (/home Verzeichnis) auf ein externes Medium sind wichtig und machen das Leben unbeschwerter.

Fazit

Wer mit Apple hadert, ein wenig technisches Interesse mitbringt und keine Angst vor Neuem hat, sollte Linux zumindest einmal ausprobieren. Es funktioniert vielleicht nicht Out of the box gleich so gut wie MacOS oder Windows, aber für alle Probleme lässt sich eine Lösung finden. Nach kurzer Umstellungsphase habt Ihr den perfekten Desktop.

Ich jedenfalls möchte auf mein aufgeräumtes, effizient zu nutzendes Fedora Linux nicht mehr verzichten.

P.S. Ich suche noch eine Möglichkeit, mein iPhone durch ein halbwegs vergleichbares Gerät mit freier Software zu ersetzen. Die Optionen sind ja noch überschaubar, insbesondere wenn Banking Apps und so etwas funktionieren sollen. Bin für Hinweise und Tipps dankbar.

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